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Airbnb soll eingeschränkt werden

Wohnungsbuchungen auf Onlinepattformen wie Airbnb sind praktisch und verhältnismässig günstig. Kein Wunder also sind in den letzten Jahren die Nutzerzahlen gestiegen. Doch aus der Politik und der Tourismusbranche gibt es schon seit einiger Zeit Kritik. Durch Airbnb und Co. würde der hiesige Wohnungsmarkt bedroht, heisst es. SP-Nationalrat Benoit Gaillard will deshalb eine Obergrenze für Kurzzeitvermietungen einführen. Er verweist darauf, dass die Plattformen mittlerweile stärker professionell genutzt werden als früher.

Viele von uns dürften sie schon einmal genutzt haben: Onlineplattformen wie Airbnb. Diese Portale, auf denen Unterkünfte gebucht oder vermietet werden können, erfreuen sich mittlerweile einer grossen Beliebtheit. Im Jahr 2025 verzeichnete Airbnb weltweit über 7,7 Millionen aktive Inserate. Die steigende Nutzung sorgt aber für Kritik. Durch die vielen Angebote auf Airbnb gehe wichtiger Wohnraum verloren, so der Vorwurf. Dieser wird seit einigen Jahren auch in der Schweiz laut, wo das Thema angesichts der grassierenden Wohnungsknappheit besonders bewegt.

Zu den Kritikern zählt SP-Nationalrat Benoît Gaillard. Er hat Anfang März in Bern eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen dafür zu schaffen, eine Obergrenze für Plattformen wie Airbnb einzuführen. Gemäss der neuen Regelung, die landesweit in Kraft treten würde, sollen Wohnungen nur noch an maximal 90 Tagen im Jahr über solche Portale untervermietet werden dürfen. Es soll damit erreicht werden, dass es für kommerzielle Anbieterinnen und Anbieter nicht attraktiver ist, ihre Wohnungen über Airbnb zu vermieten, statt sie an reguläre Mieterinnen und Mieter zur Langzeitmiete zu vergeben.

Der Bundesrat sieht keinen Handlungsbedarf

Der Vorstoss von Benoît Gaillard kommt nicht von ungefähr. Erst kürzlich hat der Bundesrat auf eine Interpellation geantwortet, die Gaillard zuvor eingereicht hatte. Aus dieser Antwort vom 18. Februar geht hervor, dass Online-Vermietungsplattformen mittlerweile in bedeutendem Ausmass professionell genutzt werden. Dies war ursprünglich anders: Airbnb und Co. wurden früher der sogenannten «Sharing Economy» zugeordnet und waren also darauf ausgerichtet, dass private Personen vorhandene Ressourcen mit anderen teilen. Nun zeigt sich, dass mittlerweile rund 70 Prozent der Airbnb-Unterkünfte in der Schweiz von halb professionellen Anbietern mit zwei bis fünf Vermietungsobjekten oder professionellen Anbietern mit mehr als fünf Objekten betrieben werden.

Der Anteil jener Privatpersonen, die nur ein einziges Vermietungsobjekt verwalten, macht nur noch rund 30 Prozent aus. Zum Vergleich: 2019 waren noch 80 Prozent der Angebote von Privatpersonen und nur 20 Prozent von professionellen oder semi-professionellen Gastgeberinnen und Gastgebern. Der Bundesrat sieht angesichts dieser Entwicklung aber keinen Handlungsbedarf: «Die Auswirkungen von Online-Vermietungsplattformen auf dem Wohnungsmarkt sind schwer quantifizierbar», teilt die Landesregierung mit. Gaillard hingegen fühlt sich bestätigt: «So deutlich wie jetzt hat der Bundesrat noch nie zugegeben, dass wir ein Problem haben und Airbnb nichts mehr mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun hat.»

Airbnb relativiert die Zahlen

Ob die geforderte 90-Tage-Regelung das Problem entschärfen würde, lässt sich aktuell aber nur schwer abschätzen. In der Stadt Luzern, wo Anfang 2025 eine solche Regelung eingeführt worden ist, soll Ende März eine Auswertung erfolgen. Es dürften auch danach Fragen offen bleiben, vor allem wenn es um die Einordnung der Zahlen geht. So verweist Airbnb auf das sogenannte Co-Host-Angebot, bei dem erfahrene Gastgeberinnen und Gastgeber die Vermietung von Wohnungen von lokalen Eigentümerinnen und Eigentümern übernehmen, wenn diese zum Beispiel in die Ferien verreisen. Dies würde gemäss Airbnb darauf hindeuten, dass hinter den Gastgeberinnen und Gastgebern, die mehrere Inserate anbieten, nicht automatisch eine vermehrte Professionalisierung stecken muss. Airbnb gibt ebenfalls zu bedenken, dass viele Personen mehrere Zimmer innerhalb ihrer eigenen Wohnung oder ihres Hauses anbieten. Ein weiterer Grund für die vermeintliche Professionalisierung könnte zudem sein, dass immer mehr Personen die Vermietung ihrer Unterkünfte an Firmen delegieren. «In der Schweiz liegt der Anteil der Gastgeberinnen, die selbst nur eine gesamte Unterkunft vermieten, bei über 80 Prozent», versichert Airbnb.

Trotz dieser Bekundungen dürfte die Kritik so schnell nicht abreissen. Diese kommt auch aus der Schweizer Tourismusbranche. Erst kürzlich hat die Hotellerie in Zürich eine Ungleichbehandlung gegenüber professionellen Airbnb-Anbietern bei den Brandschutzvorgaben beklagt. Vor allem aber fordert die Branche eine bessere Datengrundlage: «Wir kritisieren nicht die Kurzzeitvermietung an sich, sondern dass es in der Schweiz bis heute keine nationale, systematische Erfassung von Angebot, Nachfrage und Plattformaktivitäten gibt», schreibt der Verband der Schweizer Hotellerie. Eben diese Daten sollen gemäss Gaillard im Falle einer nationalen Regelung von Airbnb und Co. automatisiert den Behörden überlassen werden.

Auftrag

Argumentieren

  • Lesen Sie den im Artikel verlinkten Wikipedia-Eintrag zur Motion und erklären Sie anschliessend im Plenum und in eigenen Worten, was eine Motion ist. 

  • Arbeiten Sie in Zweiergruppen und stellen Sie die drei im Artikel erwähnten Positionen gegenüber: Benoit Gaillard, Bundesrat und Airbnb. Notieren Sie jeweils das Kernargument der Position und notieren Sie stichwortartig die Stärke und die Schwäche des Arguments. Diskutieren Sie Ihre Resultate im Plenum. 

  • Würde eine 90-Tage-Regel den Tourismusmarkt stärken oder schwächen? Diskutieren Sie in Ihren Zweiergruppen, entscheiden Sie sich für eine Position und stellen Sie Ihre Argumente der Klasse vor. 

Kalkulation

  • Lohnt es sich, ein Airbnb zu betreiben? 

    • Wählen Sie in kleinen Gruppen und mithilfe von Internetrecherchen ein Mietobjekt, das Sie auf Airbnb vermieten möchten. Beschreiben Sie das Objekt (Zimmer, Zustand, Lage, Mietpreis pro Tag etc.).
    • Wie viel würden Sie im Jahr mit den aktuellen monatlichen Mietzinsen ungefähr einnehmen, wenn Sie das Objekt ganzjährig an eine Person vermieten würden? Ziehen Sie von den Einnahmen allfällige Unterhaltskosten ab. 
    • Wie viele Tage müssten Sie das Mietobjekt über Airbnb vermieten, um das Gleiche zu verdienen wie bei einer ganzjährigen Vermietung? Ziehen Sie von den Einnahmen allfällige Unterhaltskosten, 15% Plattformgebühr und Reinigungskosten ab.  
    • Zählen Sie zur numerischen Rechnung nun auch variable Aufwände und emotionale Faktoren dazu wie die Kommunikation mit den Vermietern etc., und ziehen Sie Bilanz. 

Marketing

  • Entwickeln Sie in 3er-Gruppen eine Kampagne gegen den Wohnraumverlust durch Airbnb für einen Immobilienvermieter. 

    • Bestimmen Sie die Zielgruppe, die Botschaft, den Zeitraum und das Ziel Ihrer Kampagne. 
    • Wählen Sie mithilfe des Grundlagenwissens «Werbemittel und Werbeträger» mindestens zwei Werbemittel- und träger aus: Werbemittel und Werbeträger
    • Schreiben Sie für ein Werbemittel ein Detailkonzept und erstellen Sie digital oder per Hand einen Entwurf.
    • Stellen Sie Ihre Kampagne und das detailliert ausgearbeitete Werbemittel der Klasse vor.   

Selbsterfahrung

  • Lesen Sie den 20-Minuten-Artikel zur Kündigung wegen Eigenbedarfs: Zermatt: Kündigung wegen Eigenbedarfs – J.s Wohnung wird Airbnb - 20 Minuten

    • Was ist Ihre erste Reaktion auf den Artikel?
    • Wie würden Sie sich an J.s Stelle fühlen? 
    • Recherchieren Sie, unter welchen Voraussetzungen eine Kündigung wegen Eigenbedarfs nach Schweizer Mietrecht zulässig ist, und weshalb die Weitervermietung einer Wohnung über Airbnb nicht als zulässiger Eigenbedarf gilt. Gehen Sie dabei auch auf die 30-tägige Anfechtungsfrist bei der Schlichtungsbehörde ein.
  • Sie haben bestimmt auch schon einmal eine interessante, lustige oder unschöne Erfahrung in einem Airbnb, einem Hotel oder allgemein auf Reisen gemacht. Überlegen Sie sich eine Erfahrung und bereiten Sie stichwortartig eine Erzählung dazu vor, die Sie anschliessend in 3er-Gruppen erzählen. Bauen Sie Spannung in Ihre Erzählung ein, indem Sie unnötige Details aussparen und wichtige Informationen dehnen. Welche Erzählung berührt Sie am meisten, welche wühlt Sie am meisten auf?