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Wenn die KI bei der Jobsuche hilft

Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile allgegenwärtig und hilft uns sogar bei der Jobsuche. Eine neue Studie zeigt, dass in der Schweiz rund zwei Drittel der Stellensuchenden KI-Tools nutzen, um ihre Bewerbungsunterlagen erstellen oder aufpeppen zu lassen. Gewisse Firmen verlangen deshalb nun mehr Transparenz von ihren Bewerberinnen und Bewerbern. Gleichzeitig ist KI aber ein zweischneidiges Schwert: Viele junge Menschen fürchten wegen KI um ihre Stelle.

Immer häufiger greifen wir auf die Hilfe von Künstlicher Intelligenz zurück. Diese Entwicklung ist nicht neu, zeigt sich aber mittlerweile in immer mehr Bereichen unseres Lebens, auch bei der Jobsuche. So kommt eine neue Studie der Arbeitsmarktbeobachtung Amosa zum Schluss, dass rund zwei Drittel von uns KI-Tools benutzen, um ihre Bewerbungsunterlagen erstellen oder verbessern zu lassen. Der Aufwand ist in der Regel gering, der Ertrag je nachdem gross: Rasch ist der eigene Text ein wenig eloquenter oder das Bewerbungsfoto ein bisschen aufgehübscht. Gemäss Studienautorin Miriam Hofstetter lassen sich Bewerberinnen und Bewerber vor allem beim Verfassen des Motivationsschreibens gerne von KI unterstützen.

Zumindest im ersten Teil des Bewerbungsprozesses trägt dieses Vorgehen offenbar auch Früchte: Wer KI bei der Jobsuche regelmässig einsetzt, wird häufiger zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Das geht aus einer Befragung von knapp 6000 Stellensuchenden und rund 700 Unternehmen hervor. Die gleiche Studie zeigt aber auch, dass dies nicht zwingend zu einer Anstellung führt. Letztlich sind immer noch die Qualifikation und das persönliche Gespräch ausschlaggebend.

«Wertvoller wäre es, KI zu nutzen, um sich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten und so darüber hinaus zu kommen», meint Miriam Hofstetter denn auch. Sie empfiehlt ausserdem, die KI nur als Tool zu verwenden und nichts generieren zu lassen, was man danach nicht selbst überprüft. Denn ein Motivationsschreiben sollte nicht zu generisch oder unpassend verfasst sein. Das in Deutschland oder Österreich gebräuchliche Zeichen «ß» statt Doppel-S wäre in der Schweiz zum Beispiel verdächtig. Auch eine zu perfekte Bewerbung kann den potenziellen Arbeitgeber skeptisch machen. Denn ein Lebenslauf ist in Wahrheit selten perfekt.

Bewerberinnen und Bewerber sollen enttarnt werden

Offenbar gefällt die Entwicklung, dass bei der Bewerbung immer häufiger KI verwendet wird, nicht allen Unternehmen. Erste Firmen wollen solche Bewerberinnen und Bewerber jetzt besser enttarnen und verlangen deshalb bereits im Jobinserat, den Einsatz von KI-gestützten Hilfsmitteln transparent zu benennen. Das HR von Mercator Schweiz, einer Stiftung aus Zürich, möchte zum Beispiel wissen, «ob und in welchem Umfang» KI eingesetzt wurde, um die Bewerbungsunterlagen zu erstellen.

Dies zeigt, dass es für das HR-Personal immer schwieriger wird, Bewerbungen richtig zu beurteilen. Ob die Unterlagen nun die individuelle Persönlichkeit, Kommunikationsfähigkeit oder Eigenleistung einer Bewerberin oder eines Bewerbers widerspiegeln, ist oftmals kaum noch zu sagen. Das bestätigt Jessica Silberman Dunant, Präsidentin des Schweizer HR-Verbands HR Swiss, gegenüber dem Nachrichtenportal nau.ch. Sie begrüsst die neu eingeforderte Transparenz grundsätzlich. Dass die Bewerberinnen und Bewerber pauschal zur KI-Deklaration verpflichtet werden, möchte ihr Verband jedoch nicht. KI sei ein etabliertes und zudem auch total legales Arbeitsmittel geworden, findet die Verbandspräsidentin.

KI hilft, löst aber auch Ängste aus

KI ist aber mittlerweile viel mehr als nur ein Arbeitsmittel. Und so entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass uns die KI einerseits bei der Jobsuche hilft, andererseits aber auch Jobs streitig macht. Erst kürzlich kam eine Studie zum Schluss, dass viele junge Leute in der Schweiz wegen KI um ihre Stelle fürchten. Ob KI tatsächlich zu mehr Arbeitslosigkeit führt, ist zwar umstritten. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass es in gewissen Branchen zum Verlust von Arbeitsplätzen kommen könnte. Zukunftsforscher Stephan Sigrist vom Thinktank W.I.R.E. entwarnt gegenüber dem «Tages-Anzeiger» allerdings: «Das eigentliche Risiko ist nicht Massenarbeitslosigkeit, sondern die Umgestaltung der Arbeit.» Bei vielen Jobs wird ausschlaggebend sein, wie stark eine Arbeit standardisiert ist. «Wo Abläufe klar definiert sind, lässt sich Arbeit leicht automatisieren – unabhängig davon, ob im Büro, in der Produktion oder in der Landwirtschaft», sagt Sigrist.

Tätigkeiten in komplexen, offenen Situationen hingegen lassen sich auch künftig kaum ersetzen. Keine Sorgen machen müssen sich aktuell auch jene Personen, deren Aufgaben so schnell nicht von Technik ersetzt werden dürften. KI-gesteuerte Roboter in der Pflege oder Mähroboter, die auch auf unübersichtlichen Flächen funktionieren, bleiben zum Beispiel vorerst Zukunftsmusik. In anderen Branchen könnte KI wiederum neue Chancen eröffnen, glaubt Stephan Sigrist: «Menschen bieten einen entscheidenden Mehrwert: Sie können gut selektieren und kuratieren.» Als Beispiel nennt er den Verkauf. Anders als ein Streamingdienst kann ein Verkäufer oder eine Verkäuferin in einem Plattenladen die Kundschaft nach Vorlieben fragen, zwischen den Zeilen lesen und jene Platte abspielen, die der Kunde oder die Kundin zwar nicht gesucht hat, die ihm oder ihr aber sofort gefällt.

Auftrag

Auftrag 1: Wortschatz verstehen und anwenden

Im Artikel kommen Fachbegriffe vor; recherchieren Sie diese. Um Ihr Verständnis zu überprüfen, übertragen Sie diese Begriffe auf konkrete Situationen aus Alltag und Beruf:

  • Eine Person selektiert, wenn …
  • Eine Person kuratiert, wenn …
  • Ein Text wirkt eloquent, wenn …
  • Bewerberinnen und Bewerber handeln transparent, wenn …
  • Ein Motivationsschreiben wirkt generisch, wenn …

Auftrag 2: KI-Bewerbung – Wie weit darf man gehen?

Lesen Sie die folgenden Anwendungsarten und entscheiden Sie, wie Sie diese finden: vollkommen okay | eher okay | eher nicht okay | geht gar nicht

Tauschen Sie sich in kleinen Gruppen aus.

Anwendungsarten:

  • KI fragen, wie man ein Motivationsschreiben strukturieren soll
  • Ein Motivationsschreiben vollständig von KI erstellen lassen
  • KI zur Vorbereitung auf typische Interviewfragen verwenden
  • (Erfundene) Inhalte im Lebenslauf von der KI hinzufügen lassen
  • KI nutzen, um passende Stellenanzeigen zu finden
  • KI nutzen, um Antworten fürs Bewerbungsgespräch auszuformulieren und auswendig zu lernen
  • Rechtschreibfehler mit KI korrigieren lassen

Auftrag 3: Mensch vs. KI – Wo liegt der Vorteil des Menschen?
Versetzen Sie sich in folgende Situationen und diskutieren Sie in kleinen Gruppen die jeweils drei anschliessenden Fragen.  

Situationen:

  • Sie sind eine Patientin oder ein Patient und haben Angst vor Ihrer bevorstehenden Operation.
  • In Ihrem Team gibt es einen Konflikt zwischen zwei Mitarbeitenden.
  • Sie wollen sich auf eine Stelle bewerben und wollen Ihre Fähigkeiten möglichst einzigartig darstellen.

Diskussionsfragen:

  • Inwiefern kann der Mensch in diesen Situationen besser helfen als die KI?
  • Welche (menschlichen) Fähigkeiten machen den Unterschied?
  • Warum reicht die KI in solchen Situationen oft nicht aus?

Auftrag 4: KI-Prompt
Formulieren Sie einen guten, vollständigen KI-Prompt, mit dem eine KI einen Lebenslauf für Sie erstellen kann. Damit der Prompt gut ist, muss er folgende Informationen enthalten:

  • Ziel: Was soll die KI genau tun?
  • Person: Für wen ist der Lebenslauf?
  • Kontext: Für welche Stelle wird der CV gebraucht?
  • Inhalt: Welche Informationen sollen verwendet werden?
  • Schwerpunkt: Was soll besonders hervorgehoben werden?
  • Form und Stil: Wie soll der CV aussehen?

Auftrag 5: Welches Motivationsschreiben überzeugt?

Bilden Sie 4er-Gruppen und erstellen Sie zwei anonymisierte Versionen eines Motivationsschreibens.

Lesen Sie als Vorbereitung das Beispiel eines Bewerbungsschreibens im Grundlagenwissen Stellenbewerbung.

  • Version A: ohne KI
  • Version B: mit KI-Unterstützung

Setzen Sie sich mit einer anderen 4er-Gruppe zusammen. Spielen Sie HR, lesen Sie die Schreiben der anderen Gruppe und entscheiden Sie, welcher Brief zu einem Bewerbungsgespräch führen würde. Begründen Sie Ihre Wahl.