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Mit Ex Libris verschwindet ein Stück Kulturgeschichte

Die Lesekultur in der Schweiz ist eng mit dem Namen Ex Libris verbunden. Nun geht die Geschichte der Buchhandlungskette, die zu ihren besten Zeiten weit über 100 Filialen umfasste, nach 78 Jahren zu Ende. Die noch verbliebenen 15 Geschäfte werden wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektive auf Ende 2026 geschlossen.

Es ist ein Knall im Schweizer Buchhandel: Kürzlich wurde bekannt, dass die Migros auf Ende Jahr alle 15 verbleibenden Filialen ihrer Tochtergesellschaft Ex Libris schliesst. Dies betrifft schweizweit 15 Standorte mit 230 Mitarbeitenden unter anderem in Zürich, Basel, Bern, Luzern und St. Gallen. Die Gründe für das Ende lassen sich an den Zahlen ablesen: Laut der Migros macht das Filialgeschäft von Ex Libris mittlerweile nur noch gerade mal 5 Prozent des Umsatzes aus und ist damit nicht mehr profitabel. Um es weiterzuführen, müsste in neue Konzepte, Umbauten und in die IT investiert werden. Aber angesichts der Tatsache, dass Bücher heutzutage immer seltener in den Läden gekauft werden und auch angesichts des Konkurrenzdrucks, fehlt die wirtschaftliche Perspektive.

Dabei hatte man noch vor einigen Jahren geglaubt, dass Ex Libris die Kurve gekriegt hat. Nach dem Wegfall der Buchpreisbindung sanken die Umsätze ab 2010 so stark, dass immer mehr Filialen geschlossen wurden. Woraufhin die Anzahl der Läden von 57 auf 14 reduziert wurde. Diese Massnahme versprach anfänglich den erhofften Turnaround: Ex Libris konnte wieder Gewinne verzeichnen. Heute weiss man aber, dass dieser Aufschwung aufgrund der Pandemie nur kurzfristig war. Mittlerweile ist auch der Onlineshop von Ex Libris, der einst ein Vorbild im Schweizer Onlinehandel war, veraltet. Das Online-Geschäft wird nun schrittweise bei Galaxus integriert, wo das Buchsortiment im Laufe dieses Jahres ausgebaut wird. Das Angebot von Ex Libris umfasst rund acht Millionen Bücher.

Mit Ex Libris geht nach 78 Jahren aber nicht nur eine Ladenkette, sondern auch ein Stück Schweizer Kulturgeschichte verloren. Kaum ein anderer Name in der Schweiz ist so eng mit der Lesekultur verknüpft wie Ex Libris. Die Kultmarke wurde 1947 ins Leben gerufen und ursprünglich als Buchclub gegründet. Die einfache, aber effiziente Idee dahinter war es, Restposten grosser Verlage aufzukaufen und die Bücher günstig anzubieten. Wodurch sie auch für Arbeiterfamilien erschwinglich waren. Diese Idee gefiel Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler so gut, dass er sich wenige Jahre später selbst daran beteiligte und im Jahr 1956 Ex Libris vollständig übernahm.

In den 1980er- und 90er-Jahren waren die Läden der Buchhandlungskette ein wichtiger Treffpunkt für die Jugendkultur: Im Ex Libris hörten sich die jungen Menschen zum Beispiel die neuste Musik von Queen, Roxette, Bon Jovi oder später die «Bravo Hits» an. Die Mitarbeitenden waren nicht selten ebenfalls Musiknerds oder Leseratten. Bald verdiente Ex Libris nicht mehr hauptsächlich mit dem Verkauf von Büchern, sondern auch von CDs und DVDs.

Über viele Jahre bewährte sich das Konzept: Die Verkaufszahlen stiegen laufend und es konnten immer mehr Filialen eröffnet werden. Schliesslich wurde im Jahr 2008 mit 203 Millionen Franken der höchste Umsatz der Firmengeschichte erzielt. Doch gewissen Entwicklungen konnte sich auch Ex Libris nicht entziehen. So hat sich der Buchmarkt über die Jahre stark verändert. Die Zeiten, als der Besuch einer Ex-Libris-Filiale am Samstagnachmittag ein ritueller Fixpunkt war, sind mittlerweile vorbei. Auch die massive Ausdünnung des Filialnetzes konnte diesen Abwärtstrend nicht mehr stoppen.

Das Ende der Ladenkette ist für die Angestellten trotzdem nur schwer nachvollziehbar: Michel Lang von KV Schweiz, der als Sozialpartner der Migros-Gruppe die Rechte des Personals vertritt, kritisierte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass «einem langjährigen und erfolgreichen Unternehmen der Migros der Stecker gezogen» werde. Die Migros wiederum informierte durch eine Mediensprecherin, dass solche Anpassungen «ein natürlicher Teil der Unternehmensentwicklung» seien. Die Migros bleibe «flexibel» und richte ihr Angebot «konsequent an den sich wandelnden Bedürfnissen ihrer Kundschaft aus».

Für die Angestellten ist mit internen und externen Sozialpartnern ein umfassender nationaler Sozialplan abgeschlossen worden, informiert die Migros. Soweit möglich soll den Betroffenen eine andere Stelle innerhalb der Unternehmensgruppe angeboten werden.

Auftrag

  • Recherchieren Sie im Internet zu folgenden Fragen:

    • Was ist unter dem Begriff «Buchpreisbindung» zu verstehen?
    • Wie hat sich der Buchmarkt und insbesondere die Situation der Buchhandlungen nach der Abschaffung der Buchpreisbindung verändert?
  • In den 1980er- und 1990er-Jahren war Ex Libris ein Treffpunkt für viele Jugendliche. Überlegen Sie sich, wo sich Jugendliche der Gen-Z heute treffen. 

    • Verfassen Sie eine Schilderung dieses Treffpunkts und erklären Sie, welche persönliche Bedeutung er für Sie hat, ohne den Ort beim Namen zu nennen.
    • Lesen Sie Ihre Texte gegenseitig vor.
    • Ihre Kolleginnen und Kollegen sollen nun erraten, um welchen Treffpunkt es sich handelt.
  • Die Migros versucht, den Betroffenen eine andere Stelle innerhalb der Unternehmensgruppe anzubieten. Falls dies nicht möglich ist, könnte Arbeitslosigkeit eine Konsequenz der Schliessung sein. Lesen Sie dazu das Grundlagenwissen zur Arbeitslosigkeit: Arbeitslosigkeit

    • Fassen Sie mit Hilfe der Begriffe im Grundlagenwissen kurz zusammen, was mit Ex Libris geschehen ist.
    • Formulieren Sie mithilfe des Grundlagenwissens Massnahmen, die Ex Libris-Mitarbeitende ergreifen können, wenn sie keine Anschlusslösung finden und arbeitslos werden.