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Die Schweiz hat noch einen Geburtenüberschuss

Die Schweiz wächst, vor allem in den Agglomerationen. Dafür ist nicht nur die Zuwanderung von gut ausgebildeten Bürgerinnen und Bürgern aus der EU verantwortlich, sondern auch die Geburtenrate. Tatsächlich ist die Schweiz eines der wenigen Länder in Europa, in denen noch mehr Menschen geboren werden als sterben – in allen Regionen des Landes. Auch hierzulande hat die Geburtenrate aber einen historischen Tiefstand erreicht.

Die Schweiz wächst. Aktuell hat das Land rund 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Das Bundesamt für Statistik geht davon aus, dass diese Zahl bis 2050 auf 10,3 Millionen steigen wird. Eben diese Entwicklung ist der SVP ein Dorn im Auge. Die bürgerliche Partei hat deshalb die sogenannte 10-Millionen-Initiative lanciert, über die nun am 14. Juni das Stimmvolk entscheidet. Das Ziel der Initianten ist rasch erklärt: Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz soll vor 2050 nicht die Grenze von 10 Millionen Menschen überschreiten.

Doch weshalb eigentlich wächst die Schweiz, wo tut sie das am stärksten und wie liegt sie im internationalen Vergleich? Diesen Fragen ist kürzlich der «Tages-Anzeiger» nachgegangen. Mittels einer interaktiven Karte zeigt die Tageszeitung auf, dass Europa seit 2014 in Zentral- und Westeuropa in vielen Regionen wächst, während die Bevölkerung in Ost- und Südeuropa vielerorts schrumpft. Die Schweiz sticht dabei heraus: Als eines der wenigen Länder Europas wächst die Bevölkerung hier in allen Regionen, also in allen Kantonen. Die Hälfte der Kantone zählt sogar zu jenen hundert Regionen in Europa, die seit 2014 am stärksten gewachsen sind. Weit vorne dabei sind in dieser Statistik unter anderem die Kantone Freiburg, Aargau, Thurgau, Waadt und Zürich, die durchschnittlich zwischen 1,20 und 1,39 Prozent gewachsen sind.

Es wächst vor allem die Agglomeration

Dass diese Entwicklung mit der Zuwanderung zusammenhängt, dürfte wenig überraschen. Ist doch die Schweiz als Standort wirtschaftlich sehr attraktiv für Zuzüger aus dem Ausland. Sie zieht vor allem gut ausgebildete Bürgerinnen und Bürger aus der EU an. Doch allein damit ist das Wachstum nicht erklärt. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt auch der Geburtenüberschuss. Tatsächlich ist die Schweiz eines der wenigen Länder in Europa, in denen noch mehr Menschen geboren werden als sterben. In vielen anderen europäischen Ländern ist diese Bilanz negativ, insbesondere in Ost- und Südeuropa. Italien beispielsweise hat eine der niedrigsten Geburtenraten. Die Bevölkerung dort würde sich ohne Migration bis ins Jahr 2099 mehr als halbieren. Einzig in West- und Nordeuropa gibt es noch wenige Länder, die über einen Geburtenüberschuss verfügen. Auch dieser wird aber jedes Jahr kleiner.

Anders als etwa in Polen oder Spanien ist das Wachstum in der Schweiz nicht nur auf die grossen Städte begrenzt. Es gibt aber hierzulande grosse Unterschiede. Besonders deutlich werden diese auf der Gemeindeebene: Während das Mittelland wächst, nimmt die Bevölkerung in den Bergen und im Tessin in vielen Gemeinden ab. Ins Auge sticht zudem die Tatsache, dass nicht die grossen Städte am meisten boomen, sondern die Agglomerationen und die daran angrenzenden ländlichen Gemeinden. So sind zum Beispiel die Zürcher Gemeinden Dübendorf (+2,2 Prozent), Opfikon (+2,3) oder Uitikon (+3,7) alle stärker gewachsen als ihr grosser Nachbar die Stadt Zürich (+ 1,1 Prozent). Diese Entwicklung lässt sich auch in anderen Städten wie etwa Luzern, Bern oder Genf beobachten. In der Rangliste aller 2131 Gemeinden findet sich erst auf Platz 699 mit Winterthur die erste grössere Stadt. Zürich folgt auf Rang 800.

Im Tessin fehlen die Arbeitskräfte

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass trotz des Wachstums die Geburtenrate in der Schweiz ebenfalls einen historischen Tiefstand erreicht hat. Sollte sie weiterhin fallen und sollte sich vielleicht die Zuwanderung künftig anders entwickeln, dann könnte der Fall eintreten, dass die viel diskutierte 10-Millionen-Grenze gar nie überschritten wird. Ein schwächeres Wachstum oder gar ein Bevölkerungsrückgang hätte den Vorteil, dass sich wohl der Dichtestress reduzieren würde, Strassen und Züge weniger voll wären und die Wohnungsnot in der Schweiz kleiner würde.

Allerdings könnten dadurch wirtschaftliche Probleme auf uns zukommen. Dies verdeutlicht das Beispiel Tessin, wo die Bevölkerungsbilanz ohne die Zuwanderung klar negativ wäre. In der italienischsprachigen Schweiz sorgt der Abgang junger, gut ausgebildeter Personen für einen Arbeitskräftemangel. Dies hat zur Folge, dass Unternehmen sich schwer tun zu wachsen oder sich gar nicht erst im Tessin ansiedeln. Zudem verschiebt sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Pensionierten zunehmend: Während die Zahl der Personen im Ruhestand wächst, nimmt jene der Menschen im arbeitsfähigen Alter ab. Wodurch die Sozialsysteme stärker unter Druck geraten, ebenso wie das Gesundheits- und Pflegesystem. Ein schwächeres Wachstum wäre also für die Schweiz wohl Segen und Fluch zugleich.

Auftrag

Auftrag 1: Artikel lesen

Bearbeiten Sie den Text zu zweit.

  • Lesen Sie den Titel und Lead. Diskutieren Sie zu zweit, worum es im Text gehen könnte und was Sie bereits zum Thema wissen.

  • Lesen Sie nun den ganzen Artikel durch.

  • Teilen Sie die sechs Abschnitte untereinander auf. Formulieren Sie zu den zugeteilten Abschnitten jeweils die Frage, die im Abschnitt beantwortet wird. Die W-Fragen können Ihnen dabei helfen.

  • Beantworten Sie im Anschluss gemeinsam mündlich die formulierten Fragen.

Auftrag 2: Netzwerk erstellen

  • Lesen Sie im Instrument "Vernetztes Denken mit Netzwerken" die Einleitung und Abschnitt 1 durch.

  • Im Artikel kommen die folgenden Konzepte vor. Klären Sie zu zweit, was mit jedem Konzept gemeint ist. Bestimmen Sie dann mündlich die Ursache-Wirkungs-Beziehung gemäss Artikel zwischen jedem Konzept (Abschnitt 2 im Instrument).

    • Bevölkerungswachstum
    • Zuwanderung
    • Geburtenrate
    • Regionale Unterschiede im Wachstum
    • Arbeitsmarkt
    • Sozialsysteme
    • Dichtestress, Verkehrsauslastung, Wohnungsnot
    • 10-Millionen-Initiative
  • Schreiben Sie jedes Konzept auf ein Post-it und ordnen Sie sie auf einem A3-Papier/Flipchart an. Zeichnen Sie die Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen jedem Konzept ein (Abschnitt 3 im Instrument). Ergänzen Sie falls nötig weitere Begriffe.

  • Tauschen Sie sich mit einer anderen Gruppe über Ihre Netzwerke aus.

Auftrag 3: Eigene Lösungen finden

Steigende Gesundheitskosten, Umweltschutz/Klimawandel, Altersvorsorge und erhöhte Wohnkosten bzw. Wohnungsnot gehören gemäss dem UBS Sorgenbarometer 2025 zu den grössten Sorgen der Schweizer Bevölkerung.

  • Die SVP präsentiert mit der 10-Millionen-Initiative einen Erklärungs- und Lösungsansatz für einen Teil dieser Sorgen. Doch welche politische Haltung steckt dahinter? Ordnen Sie die Vorlage dem passenden politischen Grundkonflikt zu. 

  • Doch welche anderen Erklärungs- und Lösungsansätze gibt es für diese Sorgen? Teilen Sie die vier Themen in der Klasse auf. Formulieren Sie passende W-Fragen zu Ihrem Thema auf einem Mindmap und ergänzen Sie, was Sie bereits dazu wissen.

  • Nun geht’s ans Recherchieren: Teilen Sie die W-Fragen untereinander auf und suchen Sie nach ausführlicheren Antworten auf die Fragen. Notieren Sie Ihre Erkenntnisse in einer neuen Farbe im Mindmap. Prüfen Sie die Vertrauenswürdigkeit Ihrer Informationsquellen mit dem Quellencheck.

  • Tragen Sie die neuen Informationen in der Gruppe zusammen. Beantworten Sie dann die folgenden Fragen:

    • Erklärung: Wie ist diese Herausforderung entstanden?
    • Lösung: Wie könnte man diese Herausforderung lösen?
  • Gestalten Sie ein Flipchart, auf dem Sie Ihre Ergebnisse als Netzwerk mit Ursache-Wirkungs-Beziehungen darstellen. Präsentieren Sie Ihre Überlegungen anschliessend der Klasse.